Kraftquelle - Wandel

Kraftquelle - Wandel

Wir Menschen neigen dazu, unser Leben als Folge von einzelnen Fotos wie in einem Fotoalbum zu betrachten: so war meine Kindheit, das Bild zeigt mich in der Pubertät und das war die Ausbildungszeit… Fotos bilden einen einmaligen Status quo ab, machen einen Schnitt im Leben und halten etwas fest, was man eigentlich nicht festhalten kann: einen Moment im dauernden Wandel des Lebens. Das sind nicht nur schöne Erinnerungen, sondern helfen uns auch unser Leben zu erinnern und zu erzählen.
Aber: es ist eben auch nicht das ganze Leben. Denn da war ja noch viel mehr: das Leben ist eher wie ein Film, dessen Handlung weiterläuft, es verändert sich dauernd und wandelt sich – und manchmal ist das in schwierigen Lebenssituationen auch sehr gut und ich kann mir denken: Augen zu und durch – es bleibt nicht so, es wird sich verändern, es wird wieder anders werden…


Was kann der Wandel für uns in der derzeitigen Situation bedeuten?


Schon der griechische Philosoph Heraklit stellte fest: „panta rhei“ – „alles fließt“, „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“. Immer neues Wasser strömt an uns vorbei, und auch wir ändern uns von Minute zu Minute und werden Andere. Heraklit hat das weder als positiv noch als negativ, sondern als neutrale Tatsache betrachtet.
Das gelingt uns im Alltag meist nicht so einfach: meine kleine fünfjährige Nichte kann es gar nicht erwarten endlich ein Schulkind zu „werden“ – für sie ist Wandel etwas höchst Erstrebenswertes und Positives.
Für viele von uns ist es derzeit nicht einfach, in den vielen schon eingetretenen und zu erwartenden Veränderungen der derzeitigen Zeit
positiven Wandel zu erkennen.
Eine Freundin hat in der ersten Woche der Krise einmal zu mir gesagt „Ich
fühle mich wie im falschen Film,“ als würde gerade ein Film ablaufen, wo sich die Handlung durch ein Ereignis schlagartig gewandelt hat und ich kurzfristig orientierungslos geworden bin. Ich habe mir gedacht, das stimmt, aber: es ist immer noch mein Film! Und in diesem Film kann ich auch jetzt schon einen oder mehrere kleine positive Wandel finden: ich komme durchs Homeoffice mehr zum Kochen, was ich sehr gerne mache. Wegen des Social Distancing telefoniere ich jetzt regelmäßig mit Freund*innen, was meine Freundschaften stärkt und nicht nur mir guttut. Und so kann ich trotz Unsicherheiten auch jetzt mitbestimmen und lenken, wie mein Lebensfilm weitergehen soll: worauf die Kamera gerichtet ist, welche Farben und welche Stimmung im Film vorherrschen, wer die Protagonist*innen sind…


In diesem Sinne, bleiben wir gesund!